"Was glauben Sie?"- Bericht vom Evang. Kirchentag in Dortmund

Die Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen war beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund mit einem persönlichen "Glaubenscheck" und der Möglichkeit zu Fragen und Gespräch sowie mit Vortrag und Diskussion im Forum Weltanschauung aktiv und beteiligt. Wir berichten.......

"Was glauben Sie?"

In der Weltanschauungsarbeit zielt diese Frage auf die immer vielfältiger gewordene religiöse Landschaft, auf unterschiedlichste Frömmigkeitsstile außerhalb und innerhalb der Kirche. Jede und jeder hat da seine/ihre eigene Antwort auf diese Frage. Und genau deswegen haben wir auf dem DEKT 2019 die Besucher im Gespräch bzw. mit kleinem „Glaubenscheck“ danach gefragt: Was glauben Sie? Was sind Sie für ein Frömmigkeits-Typ?

Mit einem vierzehnköpfigen Team von Theologen, Philosophen und Laien sind wir nach Dortmund gereist. Im Gepäck hatten wir wie bereits beim DEKT 2017 eine interaktive Ausstellung mit großformatigen Exponaten zu zentralen religiösen Fragen der Gegenwart, die die Kirchentagsbesucher zum Nachdenken über den eigenen Glauben herausfordern, aber auch zum Gespräch darüber einladen sollten. Und viele sind dieser Einladung gefolgt.

Wer die 9 Fragen beantwortet hat konnte innerhalb kürzester Zeit einer von fünf möglichen Glaubenstendenzen, wie z.B. kritisch-christlicher Glaube, Religionsferne oder freie Spiritualität (Esoterik), zugeordnet werden. Erstaunlich oft kam eine passende Tendenz heraus. Im Nachhinein entstanden dann immer wieder Diskussionen über einzelne Fragen, die man im Check zu beantworten hatte: Haben wir Menschen uns unsere Götter selbst erschaffen? Sind Christen, Buddhisten und Esoteriker alle auf demselben Weg? Muss man als Christ an den Teufel als Person glauben? Wenn Sie Lust bekommen haben, diesen selbst einmal durchzuführen, schauen Sie gerne auf www.religionscheck.de vorbei.

Und ab und zu mündete der Austausch dann in ein Informations-, Beratungs- oder Seelsorgegespräch. Lehrer waren auf der Suche nach Unterrichtsmaterial, Angehörige wollten wissen, in was für eine Gruppe ihr Kind/Bekannter geraten ist und wie sie am besten damit umgehen könnten. Und zu guter Letzt gab es auch Leute, die mit der kritischen Beschreibung ihrer Gemeinschaft/ihres Glaubens auf unseren Plakaten oder in den Texten der EZW am Stand nebenan nicht einverstanden waren.

Wie gewohnt gab es auch an diesem Kirchentag wieder einen großen Andrang auf dem Markt der Möglichkeiten. Davon profitierte auch diese von der rheinischen, westfälischen und württembergischen Landeskirche und dem Evang.-Luth. Dekanatsbezirk München organisierte Ausstellung. Nur selten gab es „gesprächsfreie“ Zeiten und unsere Arbeit konnte mit ca. 800 "Religionschecks" in 3 Tagen einem breiten Publikum vorgestellt werden.

Aber nicht nur auf dem Markt der Möglichkeiten, sondern auch im Zentrum Weltanschauungen in der St. Ewaldi Kirche haben wir mitgearbeitet. Annette Kick hat dort gemeinsam mit unserem westfälischen Kollegen Andreas Hahn am Donnerstagnachmittag den Programmpunkt zum Thema "Generation Lobpreis und Kirche - Geht da was?" gestaltet. Es gab zwei Vorträge: Tobias Faix, Professor an der CVJM-Hochschule und Autor der Studie "Generation Lobpreis", stellte seine Ergebnisse zur Spiritualität von hochreligiösen Jugendlichen vor; Annette Kick warb darum, der Frömmigkeitskultur dieser jungen Menschen viel mehr eigenen Raum zu geben in den Landeskirchen; denn sonst wandert diese Generation vollends ganz aus in freie Gemeinden. Vor den theologischen Einseitigkeiten vieler dieser Gemeinden warnte sie, wie es der provokante Titel des Vortrags ankündigte: „Lasst euch nicht eure Freiheit und euren Verstand nehmen!“ Fast noch wichtiger als die Vorträge waren die Gespräche und Begegnungen zwischen den Generationen. Als Gesprächspartner und Lobpreiser konnten Martin Pepper und seine Tochter Jennifer Pepper gewonnen werden, Martin Pohl, ICF-Pastor aus Bielefeld, repräsentierte und stellte eine junge, neue auf Lobpreis ausgerichtete Gemeinde vor und Tirza Hahn und andere kamen als Teil der Generation Lobpreis zu Wort. Gemeinsam wurde darüber diskutiert und teilweise auch gestritten - oft begleitet von heftigem Applaus aus dem Publikum -, wie Kirche aussehen müsse, damit auch zukünftige Generationen darin ihren Platz haben können, ohne dass dabei die vorhandenen Schätze begraben werden müssen.

Am Freitagnachmittag kam es zu einem Novum im Weltanschauungszentrum. Annette Kick und Ingrid Witte, Weltanschauungsbeauftragte aus Bremen, luden das Theaterkollektiv Ypsilon aus München auf die Bühne. Unter dem Titel "Dann wird alles hell und leicht. Manipulation und Machtmissbrauch in religiösen Gruppen" führten sie ihr Theaterstück "Die Gretchenfrage" auf. Eindrücklich, einfühlsam, aber auch erschreckend realistisch entführten sie das Publikum in die Abgründe geistlicher Missbrauchssysteme und in deren manipulative und machtfixierten Dynamiken und Strukturen. Im anschließenden Publikumsgespräch entstand eine offene, tiefe, an manchen Stellen auch sehr seelsorgerliche Atmosphäre rund um das Thema, die von vielen Besuchern als hilfreich wahrgenommen worden ist.

Wir blicken auf interessante Tage in Dortmund mit vielen Eindrücken, Gesprächen und Erlebnissen zurück. Dankbar sind wir für die vielen Helfer und die gelungene Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Landeskirchen. Wir freuen uns schon auf den nächsten Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt und sind gespannt, ob Sie uns Ihre Antwort auf die Frage verraten: Was glauben Sie?