DEKT 2017 - Ein Rückblick

"Was glauben Sie?"
In der Weltanschauungsarbeit zielt diese Frage auf die immer vielfältiger gewordene religiöse Landschaft, auf unterschiedlichste Frömmigkeitsstile außerhalb und innerhalb der Kirche. Jede und jeder hat da seine/ihre eigene Antwort auf diese Frage. Und genau deswegen haben wir auf dem DEKT 2017 die Besucher im Gespräch bzw. mit kleinem „Glaubenscheck“ danach gefragt: Was glauben Sie? Was sind Sie für ein Frömmigkeits-Typ?

Mit einem dreizehnköpfigen Team von Theologen, Psychologen und Laien sind wir nach Berlin gereist. Im Gepäck hatten wir eine interaktive Ausstellung mit großformatigen Exponaten zu zentralen religiösen Fragen der Gegenwart, die die Kirchentagsbesucher zum Nachdenken über den eigenen Glauben herausfordern, aber auch zum Gespräch darüber einladen sollten. Und viele sind dieser Einladung gefolgt.

Wer die 9 Fragen beantwortet hat, konnte innerhalb kürzester Zeit einer von fünf möglichen Glaubenstendenzen, wie z.B. kritisch-christlicher Glaube, Religionsferne oder freie Spiritualität (Esoterik), zugeordnet werden. Erstaunlich oft kam eine passende Tendenz heraus. Oft entstanden im Nachhinein Diskussionen über einzelne Fragen, die man im Check zu beantworten hatte: Haben wir Menschen uns unsere Götter selbst erschaffen? Sind Christen, Buddhisten und Esoteriker alle auf demselben Weg? Muss man als Christ an den Teufel als Person glauben?

Und ab und zu mündete der Austausch dann in ein Informations-, Beratungs- oder Seelsorgegespräch. Lehrer waren auf der Suche nach Unterrichtsmaterial, Angehörige wollten wissen, in was für eine Gruppe ihr Kind/Bekannter geraten ist und wie sie am besten damit umgehen könnten. Und zu guter Letzt gab es auch Leute, die mit der kritischen Beschreibung ihrer Gemeinschaft auf unseren Plakaten nicht einverstanden waren.

Wie gewohnt gab es auch dieses Jahr wieder einen großen Andrang auf dem Markt der Möglichkeiten. Davon profitierte auch diese von der rheinischen, westfälischen und württembergischen Landeskirche organisierte Ausstellung. Nur selten gab es „gesprächsfreie“ Zeiten und unsere Arbeit konnte einem breiten Publikum vorgestellt werden

Aber nicht nur auf dem Markt der Möglichkeiten waren wir vertreten. Einer der Publikumsmagneten dieses Kirchentags, Dr. Eckart von Hirschhausen, interviewte im Hauptvortrag in der größten Messehalle u.a. Annette Kick. Um Glaube, Heilung und Wunder ging es, beleuchtet aus verschiedenen Perspektiven. Nachdem in der ersten Interviewrunde eine Ärztin und eine Patientin von „Christen im Gesundheitswesen“ die stärkende Funktion des Glaubens etwa bei Patientengottesdiensten geschildert hatten, ging es in der zweiten Runde um die Belastungen, die durch Heilungsversprechen entstehen können. Annette Kick berichtete aus Sicht der Weltanschauungsarbeit von der zunehmenden Tendenz, spirituelle Angebote mit Heilungsversprechen zu verbinden: „Bei uns lernst du den Glauben, die spirituelle Haltung, die dich gesund macht und hält.“ Diese Versprechen nützen oft die verzweifelten Hoffnungen von Kranken aus und laden ihnen noch die Schuld auf, wenn die versprochene Heilung nicht eintritt.

Ein Aussteiger aus einer charismatischen Gemeinde aus Württemberg wurde von Hirschhausen zu seinen leidvollen Erfahrungen dazu befragt: „Wie kam es, dass Sie sich da so vereinnahmen ließen?“ „Und was war der Auslöser, der Sie zum nachdenken und schließlich zum Aussteigen gebracht hat?“

Auch das Zentrum Weltanschauung (organisiert von der EZW und einzelnen Mitarbeitern aus den Landeskirchen) in der Sophienkirche war ein Erfolg. Neu war die Reihe „Streitzeit“, die auch heiße Eisen anpackte. Besondere Aufmerksamkeit erlangte schon im Vorfeld das Streitgespräch zwischen Bischof Dr. Markus Dröge, der Juristin/Publizistin Dr. Liane Bednarz und der Vorsitzenden des Bundesverbands der Christen in der AfD, Anette Schultner. Diese stritten um die Frage, ob Christen denn in der AfD sein können und dürfen.

Ein viel beachtetes Highlight war auch die „Streitzeit“ zum Thema „Braucht der Islam eine Reformation?“ Das Spannende daran war, dass hier einmal ein innerislamischer „Streit“ gewagt wurde. Alle drei Podiumsgäste waren Muslime, die allerdings sehr unterschiedliche Positionen vertreten. Dr. Bekir Alboga, dem Generalsekretär der DITIB, der türkischen Anstalt für Religion saßen zwei Personen gegenüber, die jeweils auf ihre Weise, aber ganz klar eine Reform des Islam fordern: Der Islamwissenschaftler Dr. Abdel-Hakim Ourghi, der in Freiburg den Fachbereich Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule leitet und die Islamwissenschaftlerin Nushin Atmaca, die dem Liberal-islamischen Bund vorsteht. So hitzig die Diskussion teilweise auch war, so notwendig und zukunftsträchtig erscheint doch ein solcher offen ausgetragene Streit unterschiedlicher muslimischer Stimmen in Deutschland.

Wir blicken auf interessante Tage in Berlin mit vielen Eindrücken, Gesprächen und Erlebnissen zurück. Dankbar sind wir für die vielen Helfer und die gelungene Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Landeskirchen. Wir freuen uns schon auf den nächsten Kirchentag 2019 in Dortmund, sind gespannt auf neuen „Streit“ und Ihre Antworten auf unsere Frage: Was glauben Sie?